Letztens, auf dem Weg vom Training nach Hause, war es überraschend mild; ein kleines Lüftchen wehte und die Sonne strahlte gerade noch ein letztes Mal, bevor sie dem Mond Platz machte. Ich hatte meine Kamera dabei, weil diese paar Stunden in letzter Zeit meine einzige Chance sind, ein paar Momente einzufangen.
Ich weiß nicht, ob es anderen da draußen vielleicht auch so geht, aber ich kann vieles hier einfach nicht mehr sehen. Ich hasse den Berg hoch zu meinem Haus, den ich mich schon seit der ersten Klasse und nach jedem Stadtbesuch hochschleppen muss. Ich hasse es, dauernd mit dem Bus und der Bahn die gleichen Strecken zu fahren, die gleiche Sicht auf dem Fenster zu haben und doch jedes mal tierisch genervt davon zu sein, dass er dauernd anhält und ruckartig wieder losfährt. Manchmal versuche ich, die 20-30 Minuten mit geschlossenen Augen zu fahren und nehme mir vor, sie erst dann zu öffnen, wenn ich ohne zu schauen weiß, wo ich gerade bin. Ich hasse es, gefangen zu sein in diesem Wirrwarr aus nochinderschule-undtrotzdemschonfertig, ich hasse es, mir dauernd vorzunehmen, kreativer, spontaner und motivierter zu sein. Arrrghhh!
Ich bilde mir ein, dass es mir in einem anderen Land, im Urlaub, auf Reisen anders ergehen würde. Dass ich dort immer etwas Neues und Aufregendes sehen und erleben würde. Dass ich dort automatisch glücklicher, lebensfroher wäre und nicht so ausgelaugt.
Hefte ich den Zustand des Glücklichseins nur an Wunschvorstellungen oder ist es eine natürliche Gegebenheit, dass man an neuen Orten direkt neugieriger und offener wird?
In genau 3 Monaten werde ich die ersten Schritte auf Neuseeland machen und Abenteuerluft einatmen. Unzählige Speicherkarten vollknipsen und mich vor Begeisterung kaum noch halten können.
Doch bis dahin will ich auch versuchen, meine eigene Umgebung ("my own space") neu zu entdecken und mit anderen Augen zu sehen. Ich stelle mir manchmal vor, wie es für zum Beispiel einen Austauschschüler aus China wäre, die mir altbekannte Straße zum Bäcker runterzulaufen oder die Halde zu betreten, die ich schon so gut kenne.
Genau darum geht es in diesem "how to". Sehe deine Umgebung, deine Nachbarschaft, deine Heimatstadt mit den Augen eines Austauschschülers, eines Backpackers, eines Touristen! Warum nicht die mit Graffiti besprühten Wände in deiner Stadt fotografieren, wenn du es auch in Berlin mit Selbstverständnis machst? Warum nicht einfach mal die heimische Flora ins Licht halten und fotografieren? Warum nicht einmal genauer auf Details achten, wenn du von der Schule/Arbeit nach Hause kommst?
Die in den letzten paar Bildern sichtbaren Gegenstände, d.h. die weiße, wunderschön perforierte Gardine und die tollen mintfarbenen Fliesenstücke habe ich übrigens auf Sperrmüllhaufen entdeckt und sie vor der gewaltsamen Müllpresse bewahrt. Stattdessen dienen sie mir nun als Fotomotiv und Dekorationsobjekt.
Sehne dich nicht nach dem, was du nicht haben kannst. Nutze das, was dir geboten wird.
//Blogvorstellung//
Sehr schöne und außergewöhnliche Bilder. Dein Text hat mich total angesprochen, mir geht es oft genauso. Die Idee, alles aus den Augen von "Fremden" zu sehen, ist wirklich gut. Werd ich auch mal probieren :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße!
Das ist ein tolles Projekt und du hast absolut recht.
AntwortenLöschenIm Alltäglichen geht viel Schönheit verloren, da es selbstverständlich ist. Im Urlaub saugt man hingegen jeden kleinsten Eindruck auf. Das ist total interessant, da meine Wahrnehmung meiner Umgebung sich so verändert hat, seitdem ich weiß, dass ich bald umziehen werde und dies nicht mehr selbstverständlich sein wird. Seitdem entdecke ich die Welt komplett neu, so wie du.
Ich wünsche dir unglaublich viel Spaß in Neuseeland und danke dir für die lieben Kommentare <3